Wissen wir überhaupt, was wir von Hollywood wollen? Oder besser gefragt: Weiß Hollywood es selbst? Keine Ahnung, ich bezweifel es aber ehrlich gesagt. Jedes Jahr dieselbe Leier. Ein paar ambitionierte Filme, ein paar sichere Nummern, und irgendwo dazwischen das Gefühl, dass echte Risiken selten belohnt werden. Wir drehen uns im Kreis, nix neues also.

Und dann kommt The Substance. Aus dem nichts, fast schon. Ein Film, der eigentlich alles sein müsste, was Hollywood fürchtet und genau deshalb so faszinierend ist. Ein Horrorfilm, der sich als Gesellschaftsstudie tarnt. Eine groteske Abrechnung mit der Industrie, die ihn gleichzeitig feiert und doch nicht so recht weiß, wie sie mit ihm umgehen soll.
Fünf Oscar-Nominierungen. Genau so viele wie Dune: Part Two. Dabei wurde Margaret Qualley übergangen. Ausgerechnet wegen Wicked. Und Demi Moore? Die große Favoritin. Zu Recht. Ihre Performance ist eine Wucht. Sie ist nicht einfach nur gut, sie ist beängstigend echt. Vielleicht auch, weil sie sich zum Teil selbst gespielt hat. Bestimmt ein wenig.
Und dann diese Geschichte hinter dem Film. Universal wollte das Ende ändern, glätten, massentauglicher machen. Aber Coralie Fargeat weigerte sich. Also ließ man den Film fallen. Und jetzt? Jetzt spielt er das Vierfache seines Budgets ein und ist auf bestem Weg, Geschichte zu schreiben.
Ein Horrorfilm, der Hollywood in seinen eigenen Regeln schlägt? Der gezeigt hat, dass sich Risiko auszahlt? Dass es sich lohnt, für eine künstlerische Vision zu kämpfen? Es wäre fast zu schön, wenn die Oscars das auch anerkennen würden. Wenn Demi Moore am Ende wirklich ihren Oscar bekommt.
Aber selbst wenn nicht, The Substance hat schon gewonnen. Denn er hat etwas geschafft, was nur wenigen Filmen gelingt: Er hat Hollywood dazu gebracht, sich selbst im Spiegel zu betrachten. Und das tut verdammt weh.
Übrigens: Wer sich noch tiefer mit dem Thema beschäftigen will. Auf YouTube gibt’s ein großartiges Video von Nerdkultur dazu. Absolut sehenswert.